Bei seinen gelegentlichen Läufen durch den Wald kommt er an exakt 13 Bänken vorbei. Die Bank Nummer sechs könnte für ihn eigentlich die Bank Nummer "Sex" sein, verbindet er mit einem Blick auf sie doch ein wunderschönes Gefühl, das auf dieser Bank einst in ihn geflossen ist. Auch heute noch bleibt er bei dieser Bank stehen und macht dort seine Übungen. Jetzt jedoch für seine körperliche Fitness, während er damals eher seiner Seele Gutes angedeihen ließ.
Was war geschehen?
Der Mann, von dem hier die Rede ist, ging vor etlichen Jahren mit seiner damals erst vor kurzem in sein Leben getretenen Begleiterin, die ein Hauch von Parfum umschwebte und die besonders erotisch strahlte, durch diesen Tann. Hand in Hand. Sie scherzten und lachten, sahen sich immer wieder in die Augen, lächelten sich an, berührten sich gegenseitig wie zufällig und legten damit ein Scheit nach dem anderen ins bereits zu flackern beginnende Feuer der Leidenschaft und Begierde. Dachten die beiden womöglich schon ab der ersten Bank daran, sich im Verlauf dieses Ausflugs in den Tann erotisch zu erfreuen?
Die Sonne warf an diesem lauen Sommerabend kurz vor dem Untergehen ihre Strahlen durch die Äste und Zweige der Fichten und Tannen oder blinzelte durch die Blätter von riesigen Buchen oder Eichen und es schien tatsächlich so zu sein, als ob manche Blume am Wegrand ihre Blüten ganz allein für die beiden in den herrlichsten Farben erstrahlen ließ. Na ja, vielleicht spürten sie als Natur-Fans das eben stärker als andere Menschen, die oftmals an solchen Wundern vorbeilaufen, ohne sie auch nur eines einzigen Blickes zu würdigen. Die zwei sahen diese Freudenspender zum Glück noch und er sah auch, wie die Lippen seiner Gefährtin zunehmend feuchter glänzten, wie sie sich manchmal mit der Zunge darüber strich und ihn dabei irgendwie fragend ansah. Was sie wohl dachte?
"Da, siehst du das Eichhörnchen?" "Nein. Wo?" "Na dort. Schwarz-braun. Mit einem weißen Fleck am Hals und dem buschigen Schwanz." "Ja, jetzt seh ichs auch!"
Er stand hinter seiner Weggefährtin, die sich an ihn gelehnt hatte, spürte ihren Po an sich und zeigte mit einer Hand zum Eichhörnchen. Die andere hatte er um ihre Taille gelegt. Herrlich, wie ihr Haar duftete. Er saugte diesen Duft in sich und seine Lippen berührten ihren Nacken, während der kleine Nager vor ihnen auf einen Baum kletterte. Mit wedelndem Schweif. Dann kam die sechste Bank. Sie kam wie gerufen und es war auch höchste Zeit zu handeln, das spürten beide ganz deutlich. Kein Mensch war weit und breit zu sehen auf diesem einsamen Waldweg, nur das Eichhörnchen schwang sich von Ast zu Ast und schien neugierig aus der Baumkrone zu den beiden erotisch Elektrisierten herunterzublicken, während sich die beiden auf der Bank niederließen. Die Sonne versank soeben hinter den Bergen, und auch die zwei auf der Bank versanken in Gefühlen von Lust und wohligen Schauern, die wie ein heißer Steppenwind über sie hinweg fegten.
Die zwei hatten sich erst vor kurzem kennen gelernt, da ist das erotische Prickeln noch am stärksten, weil dieses Neue zu Erforschende dabei mitschwebt. Dieses Beben, Wühlen und Klammern und das In-sich-Saugen des Partners, in den man dringen will bis an die tiefsten Stellen seiner Seele. Und dann diese Eruption, dieses Stöhnen, wie wenn der Vesuv ausbricht und sich die Lava der Leidenschaft über die beiden Liebenden ergießt